31. Juli 2010 |

Pharmazie und Leprastation

Nachdem die letzte Woche leider etwas von Krankheiten unterbrochen wurde, haben wir nun mal wieder etwas Zeit ein Update zu geben.

In Deshgaon gibt es ganz in der Naehe vom Hostel noch eine kleine Pharmazie, die von Bruedern der Khandwa Diozoese betrieben wird. Sie ist jeden Tag geoeffnet, aber Freitags kommen auch zwei Aerzte aus Khandwa, welche den ganzen Tag Patienten untersuchen. Die Pharmazie ist zwar nur 12 m2 gross, aber trotzdem ist der Andrang freitags enorm. Wir haben versucht ein wenig zu helfen, aber unsere medizinischen Fertigkeiten sind doch zu beschraenkt.

Hauptkrankheiten der Patienten sind Lepra und Tuberkulose. Zwar wird die Behandlung von Tuberkulose in den oeffentlichen Krankenhaeusern von der Regierung bezahlt, aber die verantwortlichen Aerzte machen den Plan meistens nicht mit, da sie keinen Gewinn an solchen Patienten machen. Das zum Einen, aber auch der schlechte Service generell in den oft ueberfuellten Krankenhausern fuehrt dazu, dass manche Patienten eine Anreise von mehreren Stunden in Kauf nehmen, um sich dort behandeln zu lassen. In der Pharmazie wird die Medizin ohne Gewinn verkauft.

Obwohl die Nachfrage nach den beiden Aerzten so gross ist, wurde der Pharmazie verboten ein Labor zu betreiben, um Krankheiten genau zu diagnostizieren – die Doktoren muessen sich auf ihre Erfahrung und Kenntnis verlassen. Beispielsweise wird ein Mangel an roten Blutkoerperchen durch Vergleichen der Hautfarbe in der Handinnenflaechen, anstatt anhand einer Blutprobe, festgestellt. Gefaehrlich ist zum Beispiel eine Verwechslung von Malaria und Denge aufgrund der selben Symptome.

Nuetzlicher konnten wir bei den Leprastationen sein, die wir besucht haben. Wir waren erst in Deshgaon bei einer kleinen Leprastation, bei der drei Patienten sich zu dem Zeipunkt aufhielten. Lepra ist heutzutage behandelbar und deswegen auch nicht mehr uebertragbar. Waehrend dieses erste Zentrum eine kleine Einrichtung war, ist das zweite ein richtiges kleines Dorf. 90 Personen, plus gegebenenfalls deren Familien, wohnen in der “City of Joy” – solche Einrichtungen gibt es in ganz Indien, teilweise sogar bis zu 300 Bewohnern. Viele der Kinder, dessen Eltern an Lepra erkrankt sind, gehen auf normale Schulen oder in die Hostels und kommen ihre Familie in den Ferien besuchen.

Als wir gestern, 30. Juli, dort waren, stand eine Untersuchung der Leprabewohner an. Ausserdem wurden auch noch Kinder eines Hostels untersucht, welches extra fuer Kinder mit Behinderungen, psychische und koerperliche, gebaut worden ist. Es gibt ein neues Programm der Regierung, welches soziale Unterstuetzung in Hoehe von 500 Rupien (= ca 10 Euro) im Monat an psychisch Kranke zusagt. Bei der Untersuchung, die insgesamt den ganzen Tag gedauert hat, hatten wir uns zur Aufgabe gemacht, den Kindern die Wartezeit zu vertreiben und konnten ihnen mit Seifenblasen wenigstens fuer den Moment gluecklicher machen.

Als wir den Untersuchungsraum betraten, war es schon sehr bedrueckend, wieviel Leid uns dort entgegenschlug. Es war ein harter Kontrast zu den sonst so froehlichen und lachenden Menschen, die uns sonst umgeben. In dem stillen Raum war eher Resignation als Hoffnung auf den Gesichtern der Menschen zu erkennen.

Morgen, 1. August, werden wir in das Hostel der Kinder gehen, die wir bei der Untersuchung kennengelernt haben. Man hat die wirkliche Freude der Kinder gespuert, als wir mit ihnen gespielt haben und deswegen versuchen wir das morgen nocheinmal.