22. August 2010 |

Chikliya

So, nach langer Pause gibt es mal wieder einen Bericht von uns. Aufgrund von fehlender Internetverbindung, beziehungsweise des Fehlens von Elektrizitaet an 12 Stunden des Tages, konnten wir von der Weltstadt Chikliya keine Lebenszeichen senden.

Chikliya ist im Grunde genommen nicht einmal ein Dorf. Die Hostel fuer Maedchen und Jungs stehen mitten in der, zurzeit wunderschoenen gruenen, Landschaft und drum herum gibt es ein paar Haeuschen – allerdings liegen auch diese soweit auseinander, dass man es nicht als Dorf erkennen wuerde. Etwa vier Stunden von Khandwa entfernt haben wir aber die zehn schoensten Tage unseres Trips bislang verbracht, was an den unzaehligen suessen Kindern und dem grossen Engagement Father Stanley lag. Im Folgenden werden wir mal einen oft ueblichen Tagesablauf  schildern.

Schule faengt erst um zehn Uhr an, daher haben wir auch erst um neun Uhr gefruehstueckt und uns dann unter Umstaenden noch unserer, mittlerweile ausgelesenen, Lektuere ‘City of Joy’ gewidmet. Die Kinder stehen uebrigens schon um 5 Uhr auf und machen Waesche, lernen und spielen ein wenig. Von 10 bis 12.30 haben wir meistens der 4. und 5. Klasse hintereinander Englishunterricht gegeben. Anfangs stand noch Father Stanley neben uns, um unseren Unterricht zu erklaeren und uebersetzen, nach zwei Tagen ging es auch ohne Hilfe. Den Unterricht haben wir naemlich mit Spielen gefuellt. Die englische Version von ‘Montagsmaler’ war der Favorit der Kinder. Man muss erwaehnen, dass es sehr auffaellig war, dass die Jungs in der Regel schon ein deutlich hoeheres Niveau im Schreiben, Lesen, Sprechen, Malen haben. Zu erklaeren ist das am ehesten wohl durch die kulturellbedingte Zurueckhaltung der Maedchen/ Frauen gegenueber den Jungs/ Maennern. Trotzdem waren wir ueberrascht schon in dem Alter einen deutlichen Unterschied zu sehen. Aber: es muss positiv erwaehnt werden, dass in allen Hostels der Maedchenanteil immer groesser wird. Auch in Chikliya sind dieses Schuljahr 20 mehr Maedchen im Vergleich zum Vorjahr, so dass nun knapp ueber 100 Maedchen zwischen Kindergartenalter und der 5. Klasse das Hostel in Chikliya besuchen.

Um 12.30 gab es eine Stunde Pause fuer das Mittagessen, danach geht die Schule weiter bis 15.00 Uhr. Da am 15. August Independence Day war, wurde  in dieser Woche die letzte Stunde zum Ueben der Parade der Kinder genutzt. Zuvor haben wir noch Englischunterricht gegeben oder auch mal die ganz Kleinen im Kindergarten besucht, welche uns mehrfach stolz das ABC auf englisch aufsagten.

 

 

 

Nachmittags haben die Kinder von Chikliya relativ viel Freizeit, die sie mit endloser Energie aber auch ohne Probleme fuellen koennen. Je zwei Mal die Woche muessen die Maedels/ Jungs das vom Markt gekaufte Getreide so vorbereiten, dass es zum Kochen benutzt werden kann. Mit unseren Versuchen haben wir wahrscheinlich mehr Schaden angerichtet als geholfen, aber wenigstens auch fuer viel Lachen bei den erfahrenen fuenf bis zwoelf- Jaehrigen gesorgt. Ansonsten muss noch der Garten gepflegt, die Gebaeude geputzt werden und ansonsten wird dort geholfen wo es noetig ist, zB auf dem Markt einkaufen gehen. Unser Hauptanliegen lag nachmittags dann darin mit den Kindern Spiele oder Fussball und Kricket zu spielen. Besonderen Anklang fand das Spiel ‘One, Two, Three, Stop!’. Dabei muessen die Kinder so schnell es geht von der Startlinie bis zu einer Mauer laufen, aber nur bei ‘One Two Three’. Bei ‘Stop!’ muessen die Kinder stehenbleiben und duerfen sich nicht mehr bewegen und wir haben versucht, das Gegenteil zu erreichen indem wir sie gekitzelt oder irgendwie anders versucht haben zu irritieren oder zum Lachen zu bringen. Den Kinder hatten vorallem Spass daran zu kitzeln und gekitzelt zu werden und hatten alle kraeftig geholfen, sobald sie selbst draussen waren. Mit den Jungs hat sich Fabian dann hauptsaechlich auf Fussball konzentriert, Karina auf Volleyball. Man muss Father Stanley fuer die taktische Schulung der aeltesten Jungs loben, sind sie doch besser im Fussball als die Jugendlichen und Maenner aus der Umgebung. Lediglich der Platz, auf dem manchmal auch eine Ziege ein Gegentor verhindert, fuehrt zu Aerger bei den Mannschaften ;)

Abends haben wir dann oft noch Besuch von der Dorfjugend bekommen, die sich jeden Abend aufs Neue gefreut hat uns zu treffen, uns Taenze zu zeigen, von ihrem Leben zu erzaehlen und Karina mit Henna zu bemalen.

Auch wenn die Facilities in Chikliya begrenzt sind, sind die Kinder extrem froehlich und wirken auch in der Persoenlichkeitsentwicklung durchaus reifer als in anderen Hostels. Der Enthusiasmus geht sofort auf einen ueber, einzig die meist sehr kaputte Kleidung erinnert an die extrem aermlichen Verhaeltnisse, aus denen fast jedes Kind kommt. Dank der Unterstuetzung von Organisationen wie HelpAlliance ist es hier moeglich trotz der schlechten Rahmenbedingungen drei Mahlzeiten taeglich anzubieten, die Hostels langsam zu vergroessern und die Schule vor den Folgen der krassen Wetterverhaeltnisse zu schuetzen. Vor Allem aber liegt es an dem Engagement der Father Stanley und Jimmy, Brother Steve und den Schwestern, dass die Kinder hier die Moeglichkeit einer guten Schulausbildng erhalten.