17. Dezember 2011 | , ,

Working With Others – Projektbesuche



Und schon wieder ein Monat vergangen, seit wir mit unseren Freunden von Saigon Children Charity unsere Working with Others Projekte besucht haben. Das Schönste für mich an der Projektarbeit ist die Arbeit mit den Menschen,  – ob unsere Freunde und Sozialarbeiter bei SCC oder die Menschen in den Projekten – das Engagement füreinander, die Menschlichkeit und Motivation ist herzerfrischend, und wenn ich meine Energie für so etwas aufwende, scheint sie auch unerschöpflich zu sein! Ich möchte euch zu 4 unserer bisher 25 Projekten für Behinderte in unserem Working With Others Programm mitnehmen, die einen guten Quer­schnitt der Arbeit darstellen und recht gut beschreiben, was wir da eigentlich machen.

Die Huong Dong Schule – Sonnenblumen Schule

Hier konnten wir bereits 2010 ein Projekt umsetzen, das wie kein anderes den Geist von WWO beschreibt. Ein perfekt ausgearbeitetes Konzept für die richtige Einordnung und Förderung für Behinderte lag seit Jah­ren in einer Schublade des  Zentrum für die Unterstüt­zung und Integration von Behinderten in Ho Chi Minh – ausgearbeitet von deren Direktorin Ms. Huynh Thi Thanh Binh -Gemeinsam mit unseren SCC WWO Team, der Direktorin und Lehrern der Huong Dong Schule und Sozialarbeitern aus anderen Projekten sind wir über die Projektfortschritte sehr froh

 

 

Doch es fehlte ein wenig Geld und eine Schule, in der dieser über Jahre erstellte Lehrplan angewandt werden konnte. Im WWO Programm setzte die Huong Dong School das ganze so erfolgreich um, dass der Lehr­plan nun bereits in 40 weiteren Einrichtungen angewandt wird und vom Bildungsministerium für Vietnam anerkannt und ge­fördert wird.

Dabei ist dieses Projekt nicht das einzige, dass wir erfolgreich mit der Huong Dong Schule durchgeführt haben. Im Projekt Autocourier Training geht es um Fortbildung von 15 Lehrern für Kinder mit Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS,  für derzeit etwa 90 Kinder. Im Projekt Life Skill Training stellen wir die Infrastruktur zur Verfügung, um den Kindern zu ermöglichen, Fertigkeiten, die es ihnen erlaubt ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu er­lernen. Vom selbständigen Haushalt und Kochen über Einkäufe und viele andere Tätigkeiten werden die Kinder hierbei, angepasst an ihre Möglichkeiten aufgrund der Behin­derung, ge­schult.

Für die ärmste Schicht bleibt die Auf­nahme der Kinder in die staatliche Huong Dong Schule schwierig – nur etwa 10% der sehr armen Kinder können auf­genommen werden, das Essen für die Kin­der muß generell von den Eltern be­zahlt werden, was es vielen unmöglich macht, ihre Kinder dort unterzubringen, und der Andrang liegt weit über den Möglichkeiten der Schule.

 

 

 

Tephan House

Deshalb werden viele be­hinderte Kinder einfach ausgesetzt. Eine Ort wo sie dann Zuflucht finden, ist unsere nächste Stati­on. Im Tephan House – einer von Mr. Binh  ge­gründeten und ei­ner frü­heren Universitätslehre­rin Frau Thi Minh Thu betreuten Wohlfahrtsein­richtung – wer­den der­zeit 40 Wai­sen – fast alle mit Behin­derungen – und 10 ältere Menschen be­treut.

 

 

WWO hat es sich zur Aufgabe ge­macht, Ein­richtungen von und für Be­hinderte  so zu för­dern, dass sie zu­nehmend auch voneinander ler­nen und gemeinsam ihre Aufgaben besser lö­sen können. Deshalb sind wir nicht nur im typi­schen “Charity” – also Wohl­fahrtsbereich aktiv, in dem manche der Ärmsten – wie hier im Tephan House durch die Fürsorge selbstloser und un­glaublich engagier­ter Menschen eine Zu­flucht finden – sondern genauso in Schu­len, die schon lange mit Behinderten arbei-­ten, sowie an Universitäten und allen Einrichtungen, die in diesem Be­reich in­itiativ sind. Auf diese Weise können wir viel besser helfen, wir können in “reiche­ren” Einrichtungen Workshops veranstalten, an denen die Lehrer, Eltern und Kinder der ärmeren Einrichtungen teilnehmen, wir können Wissen weiterge­ben und einmal Gelerntes für alle Pro­jekte nutzen. Und zunehmend freuen wir uns darüber, dass diese Einrichtungen über­haupt erst einmal erkennen, dass sie nicht alleine auf weiter Flur sind, sondern in Ho Chi Minh City eine Vielzahl von Einrich­tungen ähnlicher Art vorhanden sind, die nun beginnen sich auszutauschen und zu­sammenzuarbeiten.

Das ist das eigentliche Ziel von WWO -was im Englischen treffend mit „Empower­ment“ be­zeichnet wird – und von Wikipedia wie folgt übersetzt wird: “den Grad an Auto­nomie und Selbstbestimmung im Le­ben von Menschen oder Gemeinschaf­ten zu erhöhen, die es ihnen er­möglichen, ihre Interessen (wieder) eigen­mächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten”.

 

 

Khai Tri Schule

 

Ganz anders die Situation im dritten Projekt, der Khai Tri Schule, wo wir auf Mrs .Vo Thi Thuy, frühere Leite­rin der Huong Dong Schule treffen. Die Geschichte der Khai Tri Schule ist mit dem Schicksal, von Dr Huynh Tan Mam verbunden. Der engagierte Medizi­ner war seit sei­ner Jugend auch journalistisch für bes­sere soziale und politische Verhältnisse in Vietnam aktiv und hat zwei schwer autistische Kinder.

 

Damit konfrontiert, dass es für diese Kinder keinerlei spezifische Schule oder Betreuung gab, gründete er die Khai Tri Schule und führt sie seitdem vorbildlich. An dem im Rahmen von WWO geförder­ten Lehrgang für psychomotorisches Trai­ning lernten 14 Lehrer mit 44 Schü­lern ak­tuelle Methoden zur besseren Förde­rung autistischer Kinder. Zwar hat Dr. Huynh Tan Mam er­reicht, dass die Khai Tri Schule ausgezeichn­et ausgestattet ist und er kann den meist aus den Provin­zen stammenden Lehrerinnen etwas mehr bezahlen, als z.B. die staatliche Huong Dong Schule – trotz­dem bleibt es ein wirtschaftlich schwieriges Unter­fangen den Betrieb zu finanzieren. Ge­rade die Eltern von Kindern aus größer­er Entfernung müssen unglaubliche Einschränkungen in Kauf nehmen, damit ihren Kinder diese in Ho Chi Minh einzigartige Betreuung und För­derung zu Gute kommt. Im Rah­men von WWO wollen wir vieles, was in der Khai Tri Schule bereits Realität ist, für andere Schulen zugänglich ma­chen und Mrs .Vo Thi Thuy und Dr. Dr Huynh Tan Mam sind hier ein überaus offener und konstruktiver Partner.

 

 

Thien An Shelter for the Blind

Das vierte Projekt, in das wir euch einladen, ist das „Thien An Shelter for the Blind“ – Das von Mr. Binh ge­gründete Heim strahlt eine ausserge­wöhnliche Lebensfreude aus. Mr. Binh, selbst seit einem Autounfall er­blindet – hat hier eine Stätte geschaffen, in der Blinde ler­nen, sportlich aktiv sind, Musik ma­chen und vieles mehr. Manche seiner Kinder und Ju­gendlichen waren bereits bei Behinderten­olympiaden und der Mann steckt voller Ener­gie für immer neue Projekte, um die Situation der Blinden zu verbessern. Voller Freude er­zählt er uns, dass dieses Jahr zum ersten mal in Vietnam der “White Cane” Day” (zu deutsch: der Tag des Blindensta­bes)  – gefeiert wird, an dem auf die Probleme und Bedürfnisse von Blinden weltweit aufmerk­sam gemacht wird – auch dies ist sein Ver­dienst. Im WWO Projekt haben wir bereits mehrere Projekte un­ter der Beteiligung von Mr. Binh erfolgreich durchgeführt und wir sind schon auf neue Ideen gespannt. Lars und Christiane von unserem Help Alliance Projektteam waren von der Arbeit bei ihrem Be­such im Mai 2010 so begeistert, dass sie privat einen Lehrgang für ein Masseur­diplom für Schüler aus dem Thien An Shelter finanzier­ten, dass nicht in unser WWO Schema pass­te – auf die Bitte ob wir dafür nicht einen Sponsor finden würden, halfen die Bei­den gleich selbst.

 

General Science Library

Im Thien An Shelter treffen wir auch unseren nächsten Projektpartner, die General Science Library. Sie trat 2010 an uns mit der Bitte heran, einen Querschnitt aus Kinder- und Jugend­büchern, wertvoller vietnamesischer Literatur, Lehr- und Wissenschaftsbücher in Braille – der Blindenschrift – zu übersetzen und zu drucken. Mit Begeisterung sahen wir hier, wie diese Bü­cher gelesen und diskutiert wurden und wie Blinde bereits beim nächsten Projekt, nämlich der Umsetzung von Computer­programmen für Blinde arbeiteten. Mit der mobilen Library ist es zudem möglich, all diese Angebote auch zu den Menschen zu bringen. Auch hier geht es wie­der um die Integration vieler kleiner Projekte, das Zusammenbringen von Menschen und Ide­en.

 

Saigon Children Charity – unser „Zuhause“ für WWO

Zurück bei SCC verbringen wir viele Stunden damit , unsere Projekte mit unseren beiden Sozi­alhelferinnen Huong und Nhieu zu besprechen.  Beide sind hoch motiviert, weil sie bei Wor­king With Others diese Entwicklungsarbeit machen können. Dass sie im Rahmen von WWO Ideen und Projekte in richtige Bahnen lenken, umsetzen und vernetzen können, ist etwas sehr seltenes, denn nur wenige Hilfsorganisationen unterstützen diese anspruchsvolle aber sehr lohnenswerte Arbeit – “vielleicht weil man nicht gleich seinen Namen irgendwo draufkleben kann” … meint Huong. Truong ist nach 2 Jahren Mitarbeit bereits Spezialist in vielen Belan­gen. Seit er unserem kleinen Vietnam Help Alliance Team angehört, hat er große Teile seines Urlaubs ganz bei Saigon Children Charity verbracht und durch seinen vietnamesischen Back­ground und seine Einsicht in die Arbeitskultur bei Lufthansa, versteht er vieles leichter und ist für Alle eine unschätzbare Bereicherung. “Wir müssen alle Projekte mit öffentlicher Betei­ligung durchführen und sei sie noch so klein”…. bringt er ein – ein für die Zukunft unglaub­lich wichtiger Gedanke, auch Paul, Direktor von SCC und der Erdenker von WWO pflichtet ihm bei. Je mehr wir bei jedem Projekt öffentliche Einrichtungen beteiligen, desto mehr wer­den sie über die Jahre auch ihre Verpflichtung wahrnehmen und aus privater Wohlfahrt kann gesellschaftliche Verantwortung entstehen.

“Wir sollten für die nächste Projektrunde nicht mehr zu jedem Antragsteller fahren, sondern sie zu mehreren Workshops alle hierher einladen”… sagt Huong – sonnenklar, wenn die Idee erstmal ausgesprochen ist – wie erfolgreich der erste Workshop war, der gerade stattfand, er­zählen wir Euch in einem extra Blog – viele weitere größere und kleinere Verbesserungen an der WWO Arbeit entstehen so bei den Projektbesuchen und unseren Gesprächen – so werden der Projektrunde für den April 2011 alle Erfahrungen, die wir in den letzten beiden Jahren gesam­melt haben, zugute kommen.

Die größte Änderung dabei: wir haben in den zwei Jahren Partner gewonnen, die wir langfris­tig für die WWO Arbeit gewinnen wollen – unter ihnen die Huong Dong und Khai Thri Schule und das Thien An Shelter – sie haben alle Voraussetzungen, um gemeinsam mit SCC im Rah­men des WWO Programs neue kleine Projekte zu unterstützen und erfolgreicher zu machen und sie haben Projekte umgesetzt, die wir in anderen Einrichtungen wiederholen können – und deshalb wollen wir mit ihnen längerfristige Projekte innerhalb von WWO durchführen und planen etwa 40% des Budgets in diese Arbeit zu stecken und 60% in die Förderung neuer An­träge. Es bleibt also spannend und wir lernen auch ständig dazu.

Ehrlich, ich wollte mich kurz fassen, gründlich mißlungen…. ein Projekt in dem wir ganz alte erfahrene (aber auch isolierte) Sozialarbeiter mit jüngeren zusammenbringen, damit deren umfassendes Wissen nicht verloren geht, die Arbeit unserer Disablility Working Group, in der betroffene Familien und Lehrer lernen, Behinderungen richtig zu erkennen, das Draw a Man Test Projekt um Behinderungen richtig zu diagnostizieren und entsprechend viel besser zu fördern und vieles mehr…. und gerade gestern habe ich von Huong die neuen Anträge für un­ser Panelmeeting im April 2012 mit 18 spannenden Projekten, die wir jetzt 4 Monate lang in gemeinsamen Workshops mit den Betroffenen durchleuchten werden …. ich könnte Euch noch stundenlang weitererzählen – im Namen des Help Alliance Vietnam Teams

 

happy landings, Dominik