27. Januar 2012 |

Asociación Pachamama – Großfamilie mal anders!

Mein Name ist Elisabeth, nach der Beendigung meines Studiums der Erziehungswissenschaft stand für mich nur Eines fest: RAUS HIER.
Ich wollte meine theoretisch erworbenen Kenntnisse praktisch anwenden. Nach langer und aufwendiger Suche stieß ich auf die Asociación Pachamama e.V.  in Nasca. Es war „Liebe auf den ersten Blick“.

 

 

Mittlerweile ist seit diesem Zeitpunkt über ein Jahr vergangen und ich wohne, arbeite und lebe mittlerweile seit mehr als vier Monaten in der Asociación Pachamama. Meine Aufgaben könnten vielseitiger nicht sein: Ich betreue die Kinder, unterrichte sie in Deutsch und Englisch, helfe der Psychologin und Sozialassistentin bei ihrer Arbeit mit den Kindern und ihrer Herkunftsfamilie und erledige Zuarbeiten für den peruanischen Papierkrieg.
Ich habe mich selten so glücklich und wohl gefühlt wie an diesem Ort. Pachamama ist für mich kein Kinder- und Waisenheim, es ist eine / meine Familie.

In Deutschland wird häufig über die Entwicklungsprobleme von Heimkindern diskutiert. Die Heimerziehung an sich ist eine sehr umstrittene Disziplin der sozialen Arbeit. Durch das Fehlen der Bezugsperson und zu wenig Liebe, Wärme und Geborgenheit weisen deutsche Heimkinder häufig ein gestörtes Sozialverhalten auf.
Bei Pachamama sind genau das unsere Stärken, wir erziehen unsere Kinder mit jeder Menge Liebe, Zuneigung und Geborgenheit. Wir geben ihnen ein Gefühl von Sicherheit und versuchen ihre verletzen Kinderseelen, so gut es geht, zu heilen.

Pachamama, das sind zuerst einmal Rodolfo Arias Weiss und Nicky Mügge-Bruckert, besser bekannt als „Mami und Papi“. Diese beiden und ihre zahlreichen Helfer und Mitarbeiter in Deutschland und Peru vollbringen täglich kleine Wunder, und das seit über 20 Jahren. Ich habe vor jeder einzelnen dieser Personen großen Respekt, denn für sie alle ist das nicht nur einfach Arbeit: Es ist eine „Herzenssache“,  und das spüre ich auch.

Peru kann als ein Land „der Extreme“ bezeichnet werden. Die Kluft zwischen arm und reich ist mit Worten nicht zu beschreiben. Dieses Land ist atemberaubend in positiver wie auch negativer Hinsicht. Es ist ein Land mit Potential. Jedoch sind viele Peruaner nicht in der Lage, dieses Potenzial zu erfassen.
Für mich als Pädagogin sind die größten Probleme in Peru die Armut, die Kindererziehung und das Bildungssystem.

Genau diese drei Punkte hat sich die Asociación Pachamama zur Zielstellung gemacht.

Jedes Pachamama Kind ist eine einzigartige kleine Persönlichkeit und mit vielen Talenten ausgestattet. Sie haben jedoch keine Möglichkeit, in ihrer Herkunftsfamilie ihre Potential zu nutzen. Ganz im Gegenteil: Sie erfahren häusliche Gewalt, Vernachlässigung, keine schulische Unterstützung und es fehlt an der Vermittlung von Werten. Wenn sie in unsere „Familie“ aufgenommen werden, eröffnet sich für sie eine bis dahin unbekannte Perspektive.

In Zusammenarbeit mit geschultem Personal (Lehrer/-innen, Psychologen/-innen, Ärzten/-innen, Sozialpädagogen/-innen) helfen wir unseren Kindern, einen anderen Weg als ihre Eltern zu gehen und der Armutsspirale zu entkommen. Dies gelingt uns durch ein Wort: BILDUNG!

Alle unsere Kinder schließen erfolgreich die Schule ab, und wir können mit Erfolg berichten, dass mehrere unserer Kinder ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, z.B. als Programmierer oder Archäologe.
Das besondere bei Pachamama ist, dass wir unsere Kinder unter dem Vorsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ erziehen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, sich weiterzubilden, zu lernen, wir geben ihnen ein Bett, Essen und jede Menge Liebe, aber wir zwingen niemanden. Es ist ihre Entscheidung, was sie aus dieser Chance machen, und es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie die Kinder nach dieser Chance greifen.

Die Asociación Pachamama ist für mich ein Vorzeigeprojekt, das seines Gleichen sucht und Kindern ohne Zukunft die Möglichkeit gibt, Großes zu erreichen.

 

 

Elisabeth Schenker