4. Mai 2012 |

Ohne Jugend keine Zukunft – Studentenprogramm der Asociación Pachamama

März 2012 Die Zeit in Nasca vergeht für mich wie im Flug. Es gibt immer viel zu tun in unserer Großfamilie.

 

Mittlerweile hat seit über einem Monat das neue Schuljahr begonnen, und unsere Kinder lernen fleißig.
Wie bereits erwähnt, weist das Bildungssystem in Peru gravierende Mängel auf, und durch unzählige Feiertage fällt häufig die Schule aus. Auch deshalb unterrichten wir unsere Kinder zusätzlich am Nachmittag. Diese Nachmittagsklassen dienen dazu, die Hausaufgaben zu erledigen und den Unterrichtsstoff zu vertiefen. Wir haben sehr viele talentierte Mathematiker bei uns und wollen bald eine Arbeitsgemeinschaft beginnen, die sich vor allem der Vertiefung der mathematischen Kenntnisse widmet.

 

so sehen glückliche Kinder aus

Mich begeistert immer wieder die Tatsache, welchen Spaß unsere Kinder am Lernen haben und wie wissbegierig sie sind.
In den letzten Monaten haben wir mit den Kindern der Sekundarstufe verstärkt über ihre Berufswünsche gesprochen. Die meisten von ihnen haben schon klare Ideen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Dazu gehören u.a. der Anwalt, der Arzt, der Programmierer, der Buchhalter, der Mechaniker  und die Kosmetikerin. Wir wollen sie unterstützen, ihre angestrebten Ziele zu verwirklichen und werden ihnen dazu in den nächsten Ferien die Möglichkeit geben, im Rahmen eines Praktikums in ihren Traumberuf hineinzuschnuppern.

 

Weltweit ist ein großes Defizit im Bereich der Jugendarbeit und der Arbeit mit jungen Erwachsenen zu verzeichnen. Meist hört die Unterstützung mit dem 18. Lebensjahr auf und die jungen Menschen sind auf sich selbst gestellt. In dieser Lebensphase kommt es häufig zu Fehlentscheidungen und selbst bei einem stabilen Elternhaus rutschen viele junge Erwachsene ab, brechen ihr Studium oder ihre Ausbildung ab, verschulden sich oder werden viel zu zeitig Eltern.
Aus diesem Grund haben wir unser Studentenprogramm in den letzten Monaten umgestellt. Den jungen Erwachsenen soll in Zukunft die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet sein wie unseren Schulkindern.
Die Kinder baden im Fluss Normalerweise verlassen unsere Kinder nach ihrem Schulabschluss die Asociación Pachamama und kehren in ihre Herkunftsfamilien zurück, werden von uns nur noch finanziell unterstützt. Da Pachamama sich aber als Familie versteht, bieten wir unseren Kindern in Zukunft auch nach Beendigung ihrer Schule weiterhin die Möglichkeit, bei uns zu wohnen. Wir bieten ihnen ein Zuhause, in dem sie immer jemanden finden, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können und bei Studienschwierigkeiten werden wir ihnen Nachhilfelehrer zur Verfügung stellen. Uns ist bewusst geworden, daß vor allem in der Entwicklungsphase des jungen Erwachsenen unsere Kinder viel Unterstützung und Rückhalt benötigen. Es ist wichtig, ihnen mit Ratschlägen, einem offenen Ohr und ganz viel Liebe zur Seite zu stehen. Erwachsene zu werden ist ein schwieriger Prozess, und in dieser Phase trifft man schon mal die eine oder andere Fehlentscheidung. Wir hoffen, daß unsere Kinder mit unserer Hilfe ihren optimalen beruflichen sowie auch persönlichen Erfolg erreichen werden.
Um unser Vorhaben bestmöglich umzusetzen, sind wir jedoch auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

 

Die letzten Monate waren für die Mitarbeiter bei Pachamama sehr anstrengend und nervenaufreibend, und ich habe dieses alles hautnah miterlebt.
Die angespannte wirtschaftliche Situation in Europa und die extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten in Peru machen der Asociación Pachamama sehr zu schaffen. Als Familie halten wir aber zusammen, und jeder tut sein Möglichstes, um Pachamama beim Überleben zu helfen.
So auch Josue (23),  Pepe (20), Paka (15), Wendy (15) und Rayza (14). Sie haben ihre bewegenden Lebensgeschichten aufgeschrieben und sie dem Bürgermeister an einem Sonntagmorgen vorgetragen. Es war ihre Idee, und sie haben Eigeninitiative gezeigt. Für mich war dies ein sehr bewegender Moment. Sie dankten Pachamama, insbesondere ihrer Mama Nicky und ihrem Papa Rodolfo für die Hilfe und machten deutlich, dass sie ohne diese Unterstützung keinen Schulabschluss hätten oder erreichen könnten und dazu gezwungen wären, in ärmlichsten Verhältnissen zu leben und harter körperlicher (Kinder)arbeit nachzugehen.

 

Die Kinder von Pachamama sind für mich die Zukunft von Peru. Ich bin für jeden Tag dankbar, den ich mit ihnen verbringen kann. Sie sind trotz ihrer schweren Vergangenheit fröhlich und zufrieden. Sie bringen mich immer wieder dazu, unser konsumgesteuertes Leben in Deutschland anzuzweifeln und die Frage zu stellen, warum nur so wenig Menschen bereit sind, den armen Kindern unser Welt zu helfen.

Saludos

 

Elisabeth