26. Juni 2012 | ,

Prana im Juni/Juli

 

ZUKUNFT MIT PERSPEKTIVE

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So fröhlich wie auf diesen Fotos war die jetzige Leiterin unseres Zentrums für Kinder mit Behinderungen nicht immer.

Ihr Mann hatte ihr aus Eifersucht Kerosin ins Gesicht geschüttet und sie angezündet. Nur knapp entkam sie dem Tod. Aber selbst als es klar war, dass sie überleben würde, dachte sie daran, sich selbst zu töten. Mit viel Mühe ist es uns gelungen, die junge Frau zu überzeugen, dass das Leben trotz dieser Tragödie noch lebenswert ist. Nachdem sie sich einigermaßen gefangen hatte, boten wir ihr eine Stelle in unserem Therapiezentrum für Kinder mit Behinderungen an. Inzwischen ist sie die Leiterin. Die Kinder lieben sie und sie liebt die Kinder. Und darauf kommt es an.

Kerosinopfer sind in Indien keine Seltenheit. An tausenden von Frauen wird jährlich im ganzen Land diese Art von Verbrechen begangen. Die Ursache ist ganz verschieden. Oft ist es Eifersucht, die Ehemänner dazu treibt, ihre Frauen zu verstümmeln. Als Drohung. Meistens aber ist es so: Eine Frau soll verheiratet werden. In Indien ist auch heute noch so gut wie jede Ehe arrangiert. Die Familie des Mannes will Geld, Gold, Haus, Auto, Motorrad. Der Vater der Braut kann nicht bezahlen und macht Versprechungen. Die Ehe wird geschlossen, der Brautvater zahlt nicht. Die junge Frau wird von ihrer Schwiegermutter oder von ihrem Ehemann mit Kerosin übergossen und angezündet. Die Polizei kommt und stellt fest, dass ein bedauerlicher Unfall in der Küche passiert ist. Für diese Feststellung wird ordentlich abkassiert. Nach dem Tod der Frau ist der Weg frei für die nächste.

Per Gesetz ist Mitgift in Indien verboten. Die Realität sieht anders aus.