18. September 2012 | ,

Prana im September

 

 

BESTANDEN: “PASS”

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… und das gleich fünf Mal, alle Fächer.

So sieht das Zeugnis von Sangheeta aus, deren Studium von der Help Alliance finanziert wird. Nächstes Jahr im April wird sie es abgeschlossen haben. Keiner zweifelt, dass wieder fünfmal ‚pass‘ dastehen wird.

Sangheeta war vor zwei Jahren mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Agila bei uns im Prana-Projekt eingezogen. Als Agila im letzten Jahr heiratete, übersiedelte sie, der indischen Tradition gemäß, in das Haus ihres Mannes. Jetzt ist Agila schwanger und wird demnächst wieder für ein paar Monate im Prana-Projekt leben. Auch das entspricht der indischen Tradition: denn das erste Kind muss im Hause seiner Großmutter mütterlicherseits geboren werden. So wird das Neugeborene von seiner Großmutter umsorgt und umhegt, die Tochter wird in geborgener und entspannter Atmosphäre von ihrer Mutter auf die neue Aufgabe vorbereitet. Der frischgebackene Vater darf zu Besuch kommen, muss aber abends wieder gehen. Nach drei Monaten gehen Mutter und Kind zurück in die Schwiegerfamilie. Ein schöner Brauch. Finde ich jedenfalls.

Sangheeta freut sich schon auf die Zeit mit ihrer Schwester und dem neugeborenen Kind. Wenn sie mit dem Studium fertig ist, will Sangheeta erst einmal arbeiten. Heiraten? Klar, aber nicht gleich. Kinder? Klar, aber nicht gleich. Erst eine fundierte Ausbildung, dann Familie. Für die ländliche Gegend, aus der Sangheeta kommt, ist solch ein Lebensentwurf eine Revolution. Denn ein selbstbestimmtes Leben ist für junge Frauen die große Ausnahme.

So treffen sich die traditionelle und die moderne Welt in einer Familie. Was nun besser ist, Tradition oder Moderne, wird sich noch zeigen.