5. September 2013 | ,

Prana im September

 

Ein Goldener Tag für Kalaimani

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor vier Jahren hatten wir eine Frau mit ihren zwei Söhnen und ihren zwei Töchtern aus dem Slum zu uns ins Prana-Projekt geholt. Die Familie ist nun Teil unseres  „Glückskinder-Projektes“.

Eine der Töchter ist Kalaimani, inzwischen ist sie schon 23 Jahre alt. Kalaimani war von Geburt an blind gewesen und wurde mit 19 Jahren durch eine gelungene Augenoperation sehend. Die ersten Eindrücke von der Welt, in der sie ganz neu angekommen war, hatte sie im Prana-Projekt gesammelt: Die Vögel im Garten, deren buntes Gefieder sie zu Tränen gerührt hatte. Jetzt konnte sie das Zwitschern einem Bild zuordnen. Stundenlang stand sie unter den Palmen und blickte empor zu den Blättern, deren Rauschen im Wind sie bisher nur gehört hatte. Ich ging mit ihr zum Meer, um ihr die schäumenden Wellen zu zeigen. Das Tosen hatte sie immer nur als Bedrohung wahrgenommen. Kalaimani hatte die  Arme gehoben und gelacht, als wolle sie nicht nur das Meer sondern den ganzen Kosmos umarmen. Zum ersten Mal Horizont, zum ersten Mal Unendlichkeit. Gesehen mit dem eigenen Blick.

Kalaimani wollte nicht nur die Welt sehend begreifen, sie wollte auch lernen und sich über das geschriebene Wort neues Terrain erobern. Unsere Lehrerinnen haben dem Mädchen Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht und sonst alles, was man in der normalen Schule lernt. Kalaimani arbeitete vier Jahre lang auf einen einzigen Tag hin, den sie ihren „Goldenen Tag“ nannte: Die staatliche Abschlussprüfung, unserem Hauptschulabschluss entsprechend.

Der Goldene Tag war ein großer Erfolg, Kalaimani hat die Prüfung bestanden.

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