10. November 2013 | ,

Prana im November

 

STRASSENBLOCKADE FÜR PRANA

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit dem Tsunami vor fast neun Jahren ist der Golf von Bengalen nicht mehr zur Ruhe gekommen. In den letzten Monaten hat das Meer all das weggefressen, was einmal Strand war. Die Regierung schützte das Fischerdorf mit einer Mauer aus Tonnen und abermals Tonnen von Granitblöcken. Mit dem Ergebnis, dass das Meer angefangen hat da, wo die Mauer zu Ende ist, nämlich am Gelände des Prana-Projektes, sich umso vehementer das Land zu erobern. Wir baten um Verlängerung der Mauer. Die Regierung lehnte ab und argumentierte, dass sie für den Schutz von Privatbesitz nicht zuständig sei. Wir zogen in Erwägung, aus eigenen Mitteln eine Mauer zu finanzieren. Das Ufergelände gehört aber der Regierung, und da darf nicht jeder einfach eine Mauer hinbauen. Keine Genehmigung. Es war abzusehen, wann die ungebändigten Fluten sich bis zu unserer Schule vorarbeiten würden.

Als ich den Bürgermeister des Fischerdorfes gebeten hatte, sich für den Schutz unserer Schule einzusetzen, sagte er: „Yes, Madam.“ Einem „Yes Madam“ folgt üblicherweise nicht unbedingt eine Tat. Aber – niemand hatte vergessen, wie Prana dank hunderter von Spendern damals nach dem Tsunami dem Dorf wieder auf die Beine geholfen hatte. Und jetzt sollte das Meer die Schule verschlingen, in der die Kinder eine neue Zukunft gestalten?

Da setzten sich die Menschen auf die Haupt-Durchgangstraße, die Eastcost Road, die Kalkutta mit der Südspitze Indiens verbindet. Der gesamte Verkehr war lahmgelegt. So lange, bis ein Regierungsabgeordneter kam und versprach, dass die Mauer noch ein Stück weiter gebaut wird, so lange, bis unsere Schule in Sicherheit ist.

Das gesamte Dorf saß auf der Straße vor den hupenden Bussen und Autos, die Männer, die Frauen und die Kinder, ganz vorne unsere Prana-Kinder. Auch die Dalit aus dem Slum haben sich dazugesellt, weil auch ihre Kinder bei uns in die Schule gehen.

Die Mauer ist gebaut, die Schule ist sicher. Prana wird nicht untergehen.