12. April 2014 | ,

Gambia Reisebericht / März 2014

„Upper Baddibou Project“ / Stiftung Sabab Lou

Wir treffen uns am Flughafen, Gate 28, Flug FRA – BRU. Wegen der Einweihung der von der HelpAlliance gesponserten Wasserversorgungslage in Jumansar sind wir ein recht großes Team. Rita Diop, Vorsitzende der HelpAlliance, Klaus Gorny, Pressesprecher LH, Sarah Kessler, Kamerafrau, Lars Heurich, LH Pilot mit seiner Partnerin Julie van der Westhuizen, Götz Mäuser, Friedrich und ich. Es ist eine recht spannende Gruppe von Menschen zusammengekommen. Natürlich wird während des Fluges BRU – BJL viel erzählt, erklärt, diskutiert. Das geht gerade weiter so im Gästehaus in Fajara, zusammen mit Nurudeen und Jamu, den Verantwortlichen des Projekts.

Nach einer Übernachtung und einer 5stündigen Fahrt gelangen wir nach Farafenni und beziehen Quartier in Eddy’s Hotel. 10 Minuten Boxenstop, dann geht’s nach Chamen, dem Dorf wo wir 2010 mit der ersten Solarpumpanlage begonnen haben. Der Empfang dort ist überschwänglich. Das halbe Dorf steht schon an der Abzweigung von der Straße und geleitet uns zu Nurudeens Compound. Große Töpfe, große Schüsseln, zufriedene Bäuche.

Begrüßung in Chamen

Begrüßung in Chamen

Danach inspizieren wir die Wasseranlage. Sie funktioniert, produziert aber zu wenig Wasser, was nach dem letzten Stand der Erkenntnis an einer Unterdimensionierung des Brunnens liegt. Wir werden sehen müssen, wie man das verbessern kann. Wegen einer Reparatur des Kontrollaggregats der Anlage haben die Dorfbewohner aufgrund des verspäteten Erntezyklus bis jetzt noch kein Einkommen erzielen können und sind im Moment schlicht nicht in der Lage den Wasserpfennig zu bezahlen, den wir zur Rücklagenbildung erheben. In den nächsten 2 Wochen kann geerntet werden, dann sind wir wieder im Plan. Nicht ganz im Plan mit dem Überangebot an Zwiebeln – das ist der guten Erfahrung der letzten Saison geschuldet – wir werden unsere Bemühungen verstärken müssen, die Dörfler zu einer größeren Vielfalt zu bewegen.

Gemüsegarten

Gemüsegarten

Wir machen uns auf den Weg nach Dutabullu. Dort werden wir genauso herzlich und überschwänglich empfangen wie in Chamen. Die Wasseranlage macht einen guten Eindruck und der Garten sieht wirklich hervorragend aus. Alle Flächen sind bepflanzt, und obwohl auch hier relativ viele Zwiebeln stehen, gibt es eine wesentlich größere Vielfalt mit Tomaten, Salat, Kohl, Cassava, Möhren, Paprika und vielem mehr. Der Zaun ist freigelegt, von überall gut sichtbar und gut in Schuss. Die Tränke für die Kühe wird genutzt und die Kühe sind im Vergleich zum Vorjahr in guter Verfassung. Sie geben Milch, allerdings in sehr bescheidenen Mengen. Für mehr Milch brauchen die Kühe mehr und reichhaltigeres Futter. Wir müssen überlegen, wie wir die Produktivität hier irgendwie steigern können, verkaufen lassen würde sich die Milch sehr gut.

Vieh in Dutabullu

Vieh in Dutabullu

Ein langer Tag mit noch mehr Fragen und viel Erklärungsbedarf, unsere Delegation ist thematisch voll eingestiegen, will mehr wissen, mehr erfahren. Nur zu gerne. Denn morgen ist DER Tag.

Beginnen soll der Festtag mit einem Fußballspiel, die Mannschaften von Chamen und Jumansar haben sich qualifiziert. Fußball ist der große Transmitter zwischen den Dörfern, zwischen den Dorfbewohnern, mit einer Begeisterung, die unseren Projekten gut tut. Friedrich und Götz starten schon durch nach Jumansar, während die LH/HA Fraktion noch einen Ausflug zum Sonntagsmarkt, nahe Farafenni macht. Nicht nur um wünschenswerte Einkäufe lokaler Besonderheiten zu tätigen, sondern auch um Marktpreise zu notieren und die Marktpräsenz gambischer Produkte versus senegalesischer Produkte zu erfassen.
Wie zu erwarten stiehlt uns die farbenfrohe Geschäftigkeit die Zeit, wir müssen uns sputen, der Anpfiff des Fußballspiels wartet nicht auf uns.

Empfang in Jumansar

Empfang in Jumansar

Doch unsere späten Bemühungen werden konterkariert von der Eitelkeit des Distrikt-Chiefs, dem wir unsere Aufwartung machen müssen. Als wir endlich in Dorfnähe gelangen, hat ein berittener Spähtrupp bereits unsere Ankunft vermeldet. Ein Pulk von trommelnden, tanzenden Menschen empfängt uns, Maskenmänner schwingen Macheten, springen vor unser Auto in beschwörendem Tanz. Ein grandioser Empfang, das habe auch ich noch nicht erlebt. Sarah springt mit ihrer Kamera auf den vorausfahrenden Pick-up, wo die gambische Presse die Szene ablichtet. Doch lange verbleiben auch wir nicht im Auto. Unter Trommelwirbel, ekstatischen Tanzritualen und Geisterbeschwörung werden wir durchs Dorf geleitet, Lars hoch zu Ross, Julie und die anderen erdrückt von Umarmungen. Zur zweiten Halbzeit treffen wir endlich am Fußballfeld ein. Superfaires Fußballspiel, tolle Siegerehrung mit Pokal und allem was dazu gehört. Jetzt kommt der formelle Teil.
Der Alkalo/Dorfoberhaupt ist aufgeregt wie ein kleiner Bub zu Weihnachten, aber das ist ja auch zu verstehen angesichts der Tatsache, dass das Dorf mit dem heutigen Tage erstmals eine Wasserversorgung haben wird.

Für die Einweihungsfeier haben Nuru und Jamu sich sehr ins Zeug gelegt und eine ganze Reihe von Honoratioren bis hin zum Minister eingeladen, und auch das Fernsehen und die Presse sind vertreten. Friedrich macht mit einem Dank an die Frauen, den eigentlichen Arbeiterinnen/Unternehmerinnen/Projektpartnerinnen den langatmigen Reden ein Ende. Danach macht sich der ganze Tross auf den Weg, den Gemüsegarten zu besichtigen, um anschließend die Wasseranlage feierlich in Betrieb zu nehmen. Der Garten sieht ordentlich aus, mit 6 ha eine Riesenfläche. Das angebaute Gemüse ist vielfältig, wenngleich auch hier etwas zwiebellastig. Ein Schluck Wasser aus dem Brunnen – es schmeckt richtig lecker, und ist einwandfrei.

Lars und Julie weihen Pumpe ein

Lars und Julie weihen Pumpe ein

Die für den Abend vorgesehene Party mit Trommelmusik und dergleichen muss wegen zweier Todesfälle leider ausfallen. Unter diesen Umständen geziemt es sich nicht, lautstark zu feiern. Aber wir sind auch leidlich geschafft und nicht unglücklich über einen reflektierenden Abend bei Eddy´s. Allmählich puzzeln sich für unsere Reisebegleiter die Ereignisse zu einem Bild zusammen, es wird klarer wie wir arbeiten, was wir erreichen wollen, wo die Schwierigkeiten liegen, warum es so arbeitsintensiv ist. Überzeugungstäter halt.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns, die LH/HA Fraktion bricht gen Heimat auf. Eine tolle Reise, ein tolles Zusammenspiel, spannende Leute, spannende Erfahrungen. Noch lange sollte uns diese Gruppe engagierter Menschen in Gedanken begleiten. Wir hoffen, dass die überschwängliche Freude der Dorfbewohner ihren Dank an die LH/HA Delegation übermitteln konnte. Diese Erlebnisse waren auch für uns überwältigend, Bilder, die verbleiben, bewegen und uns beflügeln.

Frieder und Götz haben bis zum Abend Zahlen, Bilanzen und Budgets durchgepaukt, während ich ein weiteres Mal zusammen mit Jamu, Musa und Buba den Stand der Gärten besprochen habe. Es ist jetzt wichtig zu beachten, dass wir nur noch 8 bis 10 Wochen für den nächsten Pflanzzyklus haben, bevor die Beete bereitet sein müssen für die Einsaat von Mais und die Verpflanzung der Reissetzlinge. Wir müssen die Rechtzeitigkeit der Pflanzungen noch besser einüben um größtmögliche Produktivität der Gärten zu erreichen. Auch müssen wir vermehrt die Vermarktungslage beachten, denn es sind beispielsweise die Preise für Tomaten wegen eines Überangebots verfallen. Jetzt hilft nur noch Tomatenpaste oder Tomatenketchup. Werde wohl in den nächsten 2/3 Wochen nochmal zum Einkochen kommen. Sowieso wollten wir mit Training und Workshops in die Wertschöpfungskette der Nahrungsmittelverarbeitung investieren. Womit wir auch die Jugendlichen einbinden möchten. Aber Schritt für Schritt. Erst mal bin ich froh, dass die Frauen in Dutabullu – vorbildlich! – meinem Rat nach gemischtem Gemüseanbau gefolgt sind, die Beete sehen gut aus.

Und hinterm Horizont geht’s weiter . . . Wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen, den Menschen in unseren Projekten zur nachhaltigen Verbesserung ihrer Lebensumstände zu verhelfen. Überzeugungstäter halt.