19. Mai 2014 | ,

Warum….?

Warum mache ich das?

Als ich mich vor einer guten Woche von Zuhause wieder auf den Weg mache, schießt dieser Gedanke in den Kopf, warum machst du das und es fällt mir schwer meiner Familie wieder „Tschüss“ zu sagen.

Und heute sitze ich in unserem A340 von SGN (Ho Chi Minh City) nach Frankfurt und es ist ein wenig das gleiche Gefühl im Bauch, dass einem eigentlich zum heulen ist, weil man etwas zurücklässt, was einem sehr wertvoll ist. Und über dieses Warum geht es in diesem Blog an euch, warum machen wir das?

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Vorstellung der einzelnen Projekte

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HA -SCC Workshop

Nachdem wir Montag mit unserem Partner vor Ort der Saigon Children´s Charity (SCC) die Arbeitsbereiche Working with Others (WWO) – unser Programm für Behinderte – das Patenschaftsprogramm und unseren Bedarf für kurzfristige direkte Hilfen, wie z.B. Fahrräder und Schultaschen durchgesprochen haben, treffen wir am Dienstag in einem gemeinsamen Workshop fast alle Projektpartner der 38 durchgeführten WWO Projekte der letzten 4 Jahre.

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Die Ergebnisse werden präsentiert

 

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Arbeitsgruppe Blinde & Taubstumme

 

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Arbeitsgruppe mehrfache Behinderungen

 

Hien und Huong – verantwortlich für das WWO Programm bei SCC haben alle diese Projekte ausgewertet, wir haben unsere Lehren daraus gezogen und wollen gemeinsam mit den Partnern besprechen, wo wir Fehler gemacht haben, wo wir unsere Ressourcen – die Zeit – die Menschen – aber auch das von euch gespendete Geld – besser einsetzen können, um WWO weiter zu verbessern. Spannend für uns, denn nur wenn es keine Pflichtveranstaltung wird, sondern ein wirklich aktives Zusammenarbeiten – ein Austausch und ein offenes Auseinandersetzen mit der Arbeit, wäre das ein Erfolg.

IMG_7352Und es wird ein Erfolg – in den 4 Gruppen , in denen wir die einzelnen Bereiche der Behinderung zusammenbringen – nämlich Sehbehinderungen, Hörbehinderungen, autistische und enwicklungsverzögerte Behinderungen und mehrfach und andere Behinderungen – wird intensiv an unseren Fragestellungen gearbeitet und die Ergebnisse präsentiert und gemeinsam diskutiert. Es ist beeindruckend wie viele gute Ideen hier eingebracht werden, wie genau Problemfelder identifiziert werden und entsprechend Vorschläge an uns herangetragen werden, um Dinge innerhalb von WWO anzupassen und zu verbessern. Wir, genauso wie alle Teilnehmer wissen am Abend erheblich viel mehr, als durch unsere eigenen Erkenntnissen aus den Projekten möglich wäre. Aber was fast noch erfreulicher ist – alle waren mit vollem Engagement dabei, das zeigt uns, dass wir mit dem Program auf einem guten Weg sind.

Dienstag früh geht es zur Small Steps Special School – IMG_7355eine Privatschule für entwicklungsverzögerte Kinder. Dort läuft mit unserer Hilfe ein Projekt zur Erstellung von Bilderbüchern, das die Kommunikationsfähigkeiten der Kinder adäquat ihrer Möglichkeiten voranbringen soll. Im Rahmen der Förderung ist diese Methodik ein ganz wichtiger Baustein und das erforderliche Know How in Vietnam noch kaum vorhanden. Dieses Projekt soll dazu beitragen, angepasste Lehrmethoden und Know How zu verbessern. Wie bei jedem Projekt geht es uns auch darum, selbst dazuzulernen.

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Einzelungerricht in der Small Step School

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Von dort geht es weiter nach Binh Duong. Dem dortigen Thuan An Center für Hörbehinderte haben wir bei der Realisierung von Workshops für die Ausbildung von Lehrern und Spezialisten für diese Behinderung geholfen. Aber auch hier ging es um Hilfe und Lernen zugleich. Denn das Schema, das die Global Foundation, die Trägerorganisation der Workshops erarbeitet hat, ist hervorragend geeignet um für andere Behinderten IMG_7365Bereiche ähnliches durchzuführen.

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Unterricht im Thuan An Center

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Und genau das wollen wir nach der Auswertung der bisherigen Projekte in Angriff nehmen. Die Ergebnisse des Workshops haben uns darin noch einmal deutlich bestärkt. Auch hier erreichen wir das gesteckte Ziel Nguyen Thanh Thu Thuy, die Schulleiterin für unsere Ideen zu gewinnen. Gegenseitiges Helfen, jeder bringt etwas wesentliches ein, das Prinzip von WWO lebt. Spät aber sehr zufrieden kommen wir nach Ho Chi Minh zurück.

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IMG_7372Mittwoch geht es zum nächsten aktuellen Projekt, der Special School District 10 Schule. Da sich das Bildungsministerium, nachdem wir das Projekt genehmigt hatten, etwas mehr ins Zeug gelegt hat und die Kosten für die Therapieräume übernommen hat, konnten die gesamten 1890€ die wir für diese Projekt genehmigt hatten für die Ausbildung und das Training der Lehrer genutzt werden. Wir wollen zum Beispiel folgende Dinge erfahren : wie ist das Verhältnis von privaten und öffentlichen Schulen im Bereich Autismus, welche Kosten kommen auf die Eltern zu, welche Auswahlkriterien gibt es, auf welchem Wissenstand sind die Schulen selber.IMG_7374

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Natürlich schauen wir uns auch hier an, wie all das umgesetzt wird und auf welchem Stand die Schule tatsächlich ist. Von dort geht es weiter – ich gebe es zu – zu meiner „Lieblingsschule“ – einfach weil die Kreativität der dortigen Schulleiterinnen mich immer wieder vom Hocker haut. Ihr könnt dazu mehr in einem früheren Blog finden (http://blog.helpalliance.org/2012/08/training-fur-den-alltag-fur-geistig-behinderte-kinder/). IMG_7396IMG_7406

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Die Huong Duong (Sonnenblumen) Schule ist eine staatliche Einrichtung für Behinderte und hat es geschafft, eine zweite Schule für diesen großen District einzurichten, die nach dem erfolgreichen Modell der schon von uns geförderten Ersten arbeitet. Ich werde auch diesmal nicht enttäuscht. Während viele private Schulen versuchen, ausländisches Know How „nur“ zu kopieren und damit oft auf sehr teure Therapieräume und Hilfsmittel angewiesen sind, haben die Spezialisten und Lehrer an der Huong Duong Schule damit begonnen, mit natürlichen Materialien zu arbeiten.

So nimmt das Pflanzen, Ziehen, Pikieren und Ernten von IMG_7438Gemüsen und Kräutern einen wesentlichen Teil des Lehrplans ein – zum Eigenverbrauch in den „Life Skill“ Kursen, aber in Zukunft sollen auch die Eltern diese Produkte von ihren behinderten Kindern (anstatt am Markt) kaufen können – und so die Leistungen der Kinder noch mehr wertschätzen. Das im Rahmen der Arbeit mit den Pflanzen alle modernen didaktischen Inhalte für entwicklungsbehinderte Kinder umgesetzt werden ist dabei natürlich ein ganz wichtiger Aspekt. Wir tauschen uns auch hier intensiv über unser geplantes Projekt zu einer mehrjährigen Fortbildung für Lehrer im Bereich Autismus aus. In den öffentlichen Schulen haben Kinder armer Familien gleichen Zugang, weswegen „reichere“ Eltern oft abgewiesen und auf die privaten Schulen verwiesen werden. Ca. 700.000 VND (~25€) monatlich müssen die Eltern an den öffentlichen Schulen vor allem als Essensbeitrag aufbringen, die Kosten an privaten Schulen variieren von 4,5 -8 Millionen VND (~157€ – 280€). Um auch Kindern aus den ärmsten Umständen einen Zugang zu ermöglichen, möchten wir sie demnächst in unser Patenschaftsprogramm aufnehmen, denn sie können auch 25€ nicht finanzieren.IMG_7455IMG_7456IMG_7457

 

 

 

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Hien mit den Schulleiterinnen der Sonnenblumen Schule

Hien hat diese Besuche exzellent geplant. Es ging ihr darum, mir zu vermitteln, was wir aus WWO gelernt haben, wo wir ansetzen können um Dinge wirklich verändern und Wissen auf einer breiten Basis weitergeben zu können – nämlich für den Bereich autistischer Kinder ein Bildungsprogramm aufzusetzen wie es die Global Foundation für hörbehinderte Kinder bereits macht. Ca. 30% der Kinder in unseren Projekten sind Autisten – viele der öffentlichen Schulen lehnen die Aufnahme dieser Kinder ab, weil sie kein Wissen über den Umgang haben und mit der Betreuung völlig überfordert sind. IMG_7466Hiens Vision ist es , hier ein mehrjähriges Fortbildungsprogramm durchzuführen und die erste Aufgabe bis Ende dieses Jahres wird es sein , alle erforderlichen Grundlagen zusammenzutragen , die es uns ermöglichen, dieses Projekt durchzuführen – einen Partner dafür gibt es bereits, nämlich das National College of Education und das Feedback aller Workshopteilnehmer und unserer aktuellen Projektpartner ist überwältigend positiv. All das diskutieren wir bei SCC an diesem Nachmittag und Paul Finnis – Director von SCC – und „Vater“ des WWO Programms stellt eine kritische Frage nach der anderen an Hien, die aber nach wochenlanger Vorbereitung mit fundiertem Wissen für ihre Sache kämpft. Es ist noch völlig offen, ob uns der Start dieses Projekts gelingt – es liegen noch Monate Arbeit davor und wenn wir Ende des Jahres soweit sind und Help Alliance dann dem Funding zustimmt, ist das erst der Anfang der „wirklichen“ Projektarbeit.

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v.l. Huong – Dung Vu – Mrs. Vo Thi Khoai – Hien

Am Freitag bringt meine gute Freundin Dung Vu, selbst als Boatpeople geflüchtete Vietnamesin, die in Kanada lebt und mehrere Monate im Jahr ihr Wissen als Autismus Spezialistin an der von uns geförderten Kai Tri Schule weitergibt, Mrs. Vo Thi Khoai mit. Sie ist die in Vietnam anerkannteste Spezialistin auf diesem Gebiet und wir haben sie damit für unsere Planung mit im Boot. Mit unserer SCC Sozialarbeiterin Huong – die über die letzten zwei Jahre all dies mit ihrer akribischen Arbeit für WWO möglich gemacht hat -spreche ich noch über all die anderen Dinge, an denen wir noch gemeinsam mit SCC arbeiten – wie wir die Ressourcen am besten verteilen und das wir weiter darauf achten wollen „langsam und achtsam“ zu arbeiten, um die Qualität der Dinge die wir tun zu erhalten.

Es ist Freitag Abend – ich hatte in der Woche auch noch alte Sozialarbeiter aus früheren Projekten und Freunde, die mit anderen NGO´s arbeiten, getroffen – und fahre zusammen mit Hoa, Lufthansa Mitarbeiterin in Saigon, die unserem Help Alliance Team Vietnam seit Beginn angehört zum Flughafen und wir tauschen uns noch einmal über die Arbeit aus.

Und nun sitze ich am Gate – und mir wird klar, wie wertvoll mir all diese Menschen sind die auf der Gegenseite des Profits arbeiten – die dort arbeiten wo es um Menschlichkeit geht und dabei vor allem im Auge haben, wie wir nachhaltig helfen können. Mir wird wieder klar, welch unglaubliches Glück es ist, daran beteiligt sein zu dürfen.

Darum mache ich das – und nach der Woche sind wieder alle Zweifel verflogen…..

Was ich allen Spendern versprechen kann – wir alle arbeiten mit unserer größtmöglichen Sorgfalt daran mit euren Spenden sehr viel Nutzen für die Menschen zu erzielen. Dafür, dass ihr uns diese Arbeit ermöglicht, ein herzliches „Dankeschön“