18. September 2014 | ,

Säen – Pflegen und Ernten ….. Teil 2 – Pflegen

Sexualaufklärung für behinderte Kinder

Einiges mehr an “Kopfzerbrechen” als unser DWG Projekt  machte Hien – unserer WWO Managerin vor Ort – das zweite Projekt von dem ich euch erzählen möchte.

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Erstelltes Brail-Tool für die Sexualaufklärung

Working With Others versucht jedes Jahr die besten Projekte für die Stärkung von Behinderten auszuwählen, zu fördern und zu begleiten. Oft betreten wir dabei “Neuland” – so auch mit dem folgenden Projekt. Mit der Ho Chi Minh City (HCMC) Vereinigung für Menschen mit Behinderung und Waisen (HASPDO) starteten wir 2012 ein Projekt über Sexualaufklärung für behinderte Kinder. Eine gemeinsam mit HASPDO durchgeführte Umfrage unter blinden und tauben Erwachsenen ergab, dass ihr Wissen über Fortpflanzung, Hygiene, Geschlechtskrankheiten und ihre Fähigkeiten sich vor Mißbrauch zu schützen ausgesprochen niedrig sind. Entsprechend hoch ist auch die Anzahl behinderter Erwachsener, die missbraucht wurden und an Geschlechtskrankheiten – insbesondere Aids – leiden. Dieses Projekt soll Jugendliche in diesen Bereichen aufklären, dem Missbrauch von Behinderten entgegenwirken und die Fähigkeiten, mit ihrer Sexualität selbstbestimmt umzugehen, verbessern. Ziel ist es auch, wichtige Grundlagen über die Risiken von Infektionen und die Vor- und Nachteile von Verhütungsmethoden zu vermitteln.

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Hörbehinderte erlerner das Berechnen des Menstruationszyklus

HASPDO arbeitet seit 13 Jahren mit einer Reihe von Behinderten-einrichtungen zusammen – wichtig waren hierbei die Kontakte zu relevanten Behinderteneinrichtungen, aber auch das Engagement und Know How des HASPDO Projektleiters.

Zuerst führten wir Workshops mit  blinden und tauben Jugendlichen durch. Experten evaluierten die Ergebnisse dieser Workshops und erstellten Lehrunterlagen, die kontinuierlich in vielen Punkten angepasst und verbessert wurden. 18 Lehrer im Bereich von Gehörlosen und 9  im Bereich der Blinden erfuhren eine eingehende Spezialausbildung, um Ausbildungskurse für Erzieher in den jeweiligen Bereichen zu leiten und sie in ihrer Arbeit mit den Schülern zu unterstützen. Dabei wurden diese “Core-Teacher” zuerst in der Anwendung der Vermittlungsmedien geschult, dann erfolgten die konkreten Workshops über sexuelle Gesundheit.

 

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Rollenspiele sind ein wichtiger Teil der Schulung

Es zeigte sich, dass die Ausbildungsinhalte gut gewählt waren und den Bedürfnissen der Einrichtungen für gehörlose und blinde Kinder entsprachen. Die Trainer konnten ihr umfassendes Wissen und ihre Erfahrungen in den Bereichen Fortpflanzung, sexuelle Gesundheit und deren Anwendung im Alltag sehr gut vermitteln. Die speziell ausgebildeten Lehrer und Erzieher waren mit großem Enthusiasmus bei der Sache, fanden angepasste Lehrmethoden und konnten den Lehrern vor Ort dabei helfen, ihr Lehrmaterial bestmöglich zusammenzustellen und anzuwenden. Besonders hilfreich war, dass die von uns ausgebildeten “Core-Teacher” selbst von der jeweiligen Behinderung betroffen waren. Während des Trainings konnten dadurch viele Mißverständnisse und fehlendes Wissen beseitigt und Wissen über und Strategien gegen Missbrauch verständlich an die Schüler vermittelt werden.

 

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Lernen über Körpersprache hilft viele Hör-, Sprach und Seheinschränkungen zu überwinden!

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Erstes Treffen der Spezialisten zur Projektvorbereitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Organisationen war groß. So lud die Hy Vong 1 Sonderschule für Blinde Lehrer der Gehörloseneinrichtung (DCOH) ein um Ausbildungsmethoden die Körpersprache anwandten kennenzulernen. Beide Einrichtungen integrierten im Rahmen dieses Projekts das Thema Fortpflanzung und sexuelle Gesundheit auch in den regulären Lehrplan für ihre Schüler.

Schwierigkeiten hatten unsere “Core-Teacher” an den Gehörlosenschulen, da es für diese Themenbereiche keine geeignete Zeichensprache, oder geeignete sonstige Medien (wie Bilder oder Videos) gibt – hier half der in der DCOH angewandte Unterricht mit Körpersprache viel weiter.

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Gehörlosenklasse beim Workshop

Es zeigte sich auch, dass die behinderten Schüler mehr Zeit als gesunde brauchen, um die Inhalte zu verstehen. In den 4 Übungseinheiten die für die Klassen vorgesehen waren, konnte der Lehrstoff nicht vollständig vermittelt werden. Ebenso müssen in Zukunft besser auf die Behinderung zugeschnittene Lehreinheiten erstellt werden, damit diese von Lehrern für ihre Einrichtung angewandt werden können.

All das lief aber bei weitem nicht so reibungslos und einfach wie es scheinen mag. Der Projektmanager unserer HASPDO Projekte und eine Reihe der ausgebildeten Spezialisten wurden während des Projektverlaufs versetzt und dem nachfolgenden Projektmanager seitens HASPDO fehlte sowohl Kompetenz zur Weiterführung der Projekte, als auch das Verständnis für die Inhalte, weshalb es zu einem Stillstand kam.

Ein Teil unserer “Core-Teachers” waren Nonnen des Huynh de Nhu Nghia Heims, die im Projektzeitraum in andere Provinzen versetzt wurden, weshalb sie für die Ausbildung in ihrer Organisation nicht mehr zur Verfügung standen.

Wenn ich in der Einleitung zu diesem Blogs unsere Arbeit mit dem Säen, der Pflege und dem Ernten verglichen habe so möchte ich jetzt auf diesen Vergleich zurückgreifen. Es gibt viele Umstände die wir im Projektmanagment beeinflussen können, viele Dinge liegen aber ausserhalb unseres Einflussbereichs und es braucht sehr viel Glück, wenn alles so läuft, wie wir uns das zu Projektbeginn vorstellen.

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Unterricht für Lehrer und Betreuer

An dieser Stelle ist aber die Projektbegleitung – die Pflege – durch Working With Others, durch Hien unsere Vollzeit Projektmanagerin entscheidend – die genau in diesen Fällen eingreift….ohne diese würden Projekte an dieser Stelle kippen und wohl stillschweigend “auslaufen” – Es gab also Verzögerungen – letzendlich etwa 8 Monate gegenüber dem Projektfahrplan – zusätzliche Meetings, viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit des “neuen” Projektleiters bei HASPDO und Schulungen weiterer “Core-Teachers” – aber das Projekt wurde erfolgreich weitergeführt!

Schlussendlich konnten wir  in zwei Projektperioden mit dem Training über 100 gehörlose und blinde Jugendliche im Bereich sexuelle Gesundheit, dem Schutz vor Geschlechtskrankheiten und sexuellem Mißbrauch schulen. Darüberhinaus wurden 27 “Core-Teacher” ausgebildet und die Inhalte wurden in mehreren Einrichtungen in den regulären Lehrplan aufgenommen.

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Übungen für die Vermittlung von Wissen über Sexualität für blinde Jugendiche

Wir haben gelernt, dass im Bereich von Gehörlosen das Wissen über die anzuwendende Zeichensprache deutlich verbessert werden muss. Es ist sehr wichtig, dass die Inhalte durch von der Behinderung selbst betroffene Lehrer in einer der jeweiligen Behinderung angepassten Sprache vermittelt werden. Dies ist die Voraussetzung, um den Stoff umfassend an allen Behinderteneinrichtungen weitergeben  zu können und alle behinderten Kinder und Jugendlichen zu erreichen.

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Hörbehinderte Jugendliche bei Übungen zur Selbstverteidigung gegen Übergiffe und sexuellen Mißbrauch

Die fundierte Ausbildung der “Core-Teachers” ist die Grundlage und deshalb brauchen wir dafür sehr genaue Ausbildungsgrundlagen als Referenz. Beim Wechsel von Projektleitern muss sichergestellt sein, dass die Kompetenz erhalten bleibt und die Kontinuität des Projektes nicht gefährdet wird.

In einem Abschlusstreffen mit den “Core-Teachern”, Experten und Projektleitern haben wir uns darauf geeinigt diese Arbeit fortzusetzen. Als nächstes wollen wir umfassende Lehrmittel für die Schulung entwickeln, von Lehrfäden für Lehrer, über Lehrbücher und Demo Tools, zu einer angepassten Zeichensprache.

All das wäre ohne eure Unterstüztung nicht möglich – danke Euch!