29. Mai 2016 | , , ,

Prana im Mai

Eine Geschichte von Erfolg und Misserfolg

von Hilde Link

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Wenn man ein Hilfsprojekt leitet, dann berichtet man gerne über Erfolge. Heute gestehe ich, wie unser gesamtes Prana-Team mit Betrübnis, mit Verzweiflung oder gar mit Wut, zwischendrin auch mit Hoffnung, auf zwölf Jahre Scheitern zurück blicken muss. Da gibt es nämlich etwas, das wir unbedingt abschaffen wollen, kulturelle Eigenheiten hin oder her. Bloß dass niemand aus der Bevölkerung mitmacht. Es geht um Hygiene.

Im traditionellen Indien dürfen Körperausscheidungen nicht gesammelt werden. Ganz konkret: Auf dem Grundstück neben unserer Schule ist eine Sandfläche mit ein paar Büschen, wo sich Gruppen von Frauen, vor allem frühmorgens, hinhocken, um sich unbehelligt austauschen zu können. Schätze mal, es geht um Kinder, Küche, Kirche in der indischen Variante. Die Ergebnisse dieses Hinhockens, nämlich die Stoffwechsel-Endprodukte, verbreiten bei der Hitze oder gar bei Regen einen infernalischen Gestank, der an schlechten Tagen bis in unsere Schule zieht. Das Schlimmste aber sind Hunde, die nebenan gerne ihren Hunger stillen und dann durch’s ganze Dorf laufen, von den Ratten und Krähen ganz abgesehen. Der für seine eigene Kultur großes Verständnis aufbringende Mahatma Gandhi hat die „Politik des kleinen Spatens“ entwickelt. Tausende und Abertausende von Rupien wurden seinerzeit von der Regierung für kleine Spaten investiert, die noch heute irgendwo vor sich hin rosten. Ergebnis gleich null. An dieser Stelle könnte ich zig Versuche unsererseits benennen, die allesamt ins Nichts geführt haben.  Jahrelang dachten wir vom Prana-Team allen Ernstes, wo Gandhi gescheitert ist, werden wir siegen. Jetzt setzen wir auf die Kinder, auf die nächste Generation. Unsere Schulkinder lassen wir nicht nach nebenan auf die Sandfläche, sondern sie haben eine moderne und (mit Mitteln der HelpAlliance) gerade frisch renovierte Toilettenanlage zur Verfügung: mit Wasserspülung und genügend Wasserhähnen zum Händewaschen, alles immer piccobello sauber. Wir sind uns absolut sicher, dass unsere Mädchen dann, wenn sie erwachsene Frauen sind, andere Lokalitäten zum Diskutieren finden werden als Sandflächen mit Büschen. Aber vielleicht ist ja auch das bloß wieder eine Illusion.

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