1. Juli 2016 | , , ,

Prana im Juni

IMMER DAS BESTE FÜR DAS KIND

von Hilde Link

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In allen Kulturen dieser Welt, so auch in der indischen, will jede Mutter das Beste für ihr Kind. Das behaupte ich jetzt einfach mal.

In unserem Prana-Projekt lebt Akash mit seiner Mutter und seiner Großmutter. Akash ist am 26. Dezember 2004 geboren, am Tag, als der Tsunami kam. Schnell war für die Dorfgemeinschaft klar, warum das Meer alles verwüstet hatte: wegen Akash, der quasi in die Fluten hinein geboren worden war. Dieses Kind würde allen Unglück bringen, also musste es weg. Seine Mutter floh mit ihrem Kind vor den Bedrohungen, die von der Dorfgemeinschaft ausgingen.  Die Großmutter kam mit. Der Vater des Kindes war längst mit einer anderen Frau über alle Berge.

Wir haben die kleine Restfamilie im Prana-Projekt aufgenommen. Hier können alle in Sicherheit leben. So weit so gut, wäre da nicht dieses Trauma der Mutter. Trotz Psychotherapie wird sie die Angst nicht los, dass ihr Kind entführt werden könnte. Sie will immer das Beste für ihr Kind und so versuchte sie jahrelang zu verhindern, dass Akash in die Schule geht, denn sie wusste ja nicht, ob er wieder zurück kommen würde. Sie ging die vier Kilometer zu Fuß in Akash’s Schule, riss das Kind aus dem Unterricht und schrie die Lehrer an, wenn diese verhindern wollten, dass sie das Kind mit nach Hause nahm. Oder sie warf am Morgen vor der Schule Akash’s Schuluniformen ins Wasser, damit das Kind diese nicht anziehen konnte und zu Hause bleiben musste. Unsere Projektleiterin stand endlosen Ärger mit den Schulbehörden und vor allem mit Akash’s Mutter durch im Kampf dafür, dass das Kind in die Schule gehen konnte. Nur beim Förder- Unterricht im Prana-Projekt war alles gut: Die Mutter saß neben ihrem Kind und bewachte es, sehr zum Leidwesen unserer Lehrerschaft.

Inzwischen kann Akash sich durchsetzen und liebt nichts mehr als Lernen. Er will einmal Lehrer werden. Ohne Prana hätte das Kind mit Sicherheit niemals eine Schule von Innen gesehen. Wir sind unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort sehr dankbar für all die Nerven die sie investiert haben, damit ein Kind eine Chance im Leben hat. Ich denke, dieser Kampf hat sich gelohnt.

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