24. Februar 2017 | , ,

Prana im Februar

Eine Familie hält zusammen

von Hilde Link

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In Indien gibt es den Begriff „family friends“. Gemeint sind damit nicht Freunde der Familie, sondern Menschen, die sich einer, gewissermaßen „künstlichen“, Familie zugehörig fühlen und sich so verhalten, als wären sie Mitglieder einer echten blutsverwandten Familie. Wieso der Begriff mit dieser Bedeutung überhaupt entstehen konnte, liegt in einer kulturellen Eigenheit der indischen Gesellschaft: Da zählt die Familie, bzw. die Gruppe, alles, das Individuum nichts. Man ist also immer, und das ist in Indien existentiell wichtig, eingebunden in eine Familie, deren Mitglieder in der Not einander beistehen. Freunde, so wie wir sie in unserer Kultur kennen, gibt es in Indien zwar auch, allerdings besteht keine zwingende Verpflichtung, für einander da zu sein, wenn man sich braucht, denn Freundschaften kann man aufkündigen oder beenden, eine Familie aber nicht.

Family friends sind also Menschen, die eine Verpflichtung gegenüber ihrer (selbstgewählten) Familie eingegangen sind, aus der sie sich nicht einfach befreien können, wenn es mal schwierig wird. Ein Beispiel ist das Prana-Projekt. Alle zusammen, die Mitarbeiter und die hilfsbedürftigen Kinder, bilden eine Familie. Jetzt sind wegen der Finanzpolitik von Ministerpräsident Modi schwere Zeiten angebrochen: Wir dürfen von unserem eigenen Konto immer noch nicht  so viel Geld abheben, wie wir brauchen. Zwar arbeiten einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die es sich leisten können,  ohne Lohn, wie einige Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel. Für unsere Putzfrauen und Wäscherinnen aber, oder für die Köchinnen, bedeutet kein Geld Hungern für sie und ihre Familie. Und jetzt kommen die family friends ins Spiel: Wer irgendwelches Erspartes hat, der stellt es zur Verfügung für diejenigen, die dringend bezahlt werden müssen, oder damit die behinderten und die Schul-Kinder weiterhin ihr Essen bekommen. Unsere Projektleiterin beispielsweise oder unser Buchhalter. Sie stützen jetzt ihre Prana-Familie mit dem, was sie erspart haben.

So machen wir alle in diesen schwierigen Zeiten ganz wunderbare Erfahrungen, die wir sonst niemals hätten machen dürfen. Nämlich die Erfahrung, dass eine Familie zusammen hält, ganz egal was kommt. Modi sei Dank!