10. August 2017 | , , ,

Prana im Juli

„Dear Madam Hitler“

von Hilde Link

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Noch lange vor dem Tsunami, als ich noch meine Professur an der Pondicherry University hatte,  kamen ein paar Buben an mein Gartentor und baten mich, ihnen doch Cricket-Schläger und Bälle zu spendieren, denn sie würden so gerne Cricket spielen und hätten keine Ausrüstung. Klar sagte ich, mache ich, Sport ist immer gut für Kinder. Solch ein Ansinnen muss man unterstützen.

Die Buben von damals sind inzwischen junge Männer mit einer eigenen Mannschaft geworden, dem Cricket-Club Periya-Mudaliyar-Chavadi. Sogar einen Pokal haben sie schon gewonnen. Eines Tages kommt der Mannschafts-Kapitän zu mir, zeigt den Pokal und überreicht mir ein Schreiben. Ob nicht Prana den überaus erfolgreichen Club mit Trikots versorgen wolle.  Außerdem seien einige Schläger kaputt. Er habe sie dabei. Ich höre mir sein Anliegen an und beginne zu lesen:

„Dear Madam Hitler!…“ Mir stockt der Atem. „Ich heiße Hilde, nicht Hitler!“ rufe ich entsetzt. Der Kapitän kann meine Aufregung nicht verstehen. Er sagt, er dachte, ich sei mit Hitler verwandt und ‚Hilde‘ sei nur das nachlässig ausgesprochene ‚Hitler‘. Denn Hitler habe doch auch viel für Sport getan, das wüsste er ganz genau. Ich hielt ihm einen Vortrag darüber, was Hitler noch alles getan hat, außer dass er sich für Körperertüchtigung engagiert hat.

Schweigend und betroffen nimmt der Mannschafts-Kapitän sein Schreiben zurück, bittet mich um einen Kugelschreiber, streicht ‚Hitler‘ durch und schreibt ‚Hilde‘ darüber.