28. Mai 2018 |

Prana im Februar

Ein blinder Junge und seine Aufgabe im Leben

von Hilde Link

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Vor einiger Zeit kam eine alte Frau mit ihrem fünfjährigen Enkelkind in unser Therapiezentrum für Kinder mit Behinderungen.

Auf den ersten Blick war zu erkennen, dass der Junge, Harish, blind war. Die Großmutter erzählte, dass die Mutter ihn verstoßen habe, er würde nur Unglück bringen. Harish’s Vater habe seine Frau wegen des behinderten Kindes verlassen, die Mutter wolle mit dem Kind nichts mehr zu tun haben. Jetzt lebe der Junge bei ihr, der Großmutter, sie habe ihn aufgenommen.

Umgehend veranlassten wir, dass Harish in einer großen Spezial-Augenklinik untersucht wurde. Heutzutage kann man mit der modernen Technik doch alles machen, dachten wir, und waren uns schon gewiss, dass die Ärzte dem Jungen über eine oder mehrere Operationen sein Augenlicht zurück geben werden. Aber es kam anders. Bei einem Besprechungstermin erklärte uns Dr. Veena sehr ausführlich mit einer Zeichnung, dass Harish von Geburt an keine Sehnerven hätte, und dass er nichts, rein gar nichts sieht, dass er nicht einmal Hell und Dunkel unterscheiden kann. Als sie sah, dass ich weinte, sagte sie: „Jeder Mensch hat seine Aufgabe im Leben zu erfüllen. So auch dieser Junge.“

Nun setzen wir alles daran, dass Harish seine Aufgabe im Leben mit möglichst großer Selbständigkeit finden kann. Er hat jetzt eine eigene Betreuerin, die jeden Tag eineinhalb Stunden mit ihm spielt und mit ihm lernt. Entsprechende Spielsachen für blinde Kinder haben wir angeschafft. Seit Neuestem bekommt er Keyboard-Unterricht, was ihn vollkommen begeistert.

Einmal in der Woche geht Sheila, sie ist eine unserer Lehrerinnen in der Prana-Schule, in eine nahe gelegene Blindenschule, bekommt dort didaktische Anregungen und Unterricht in Braille. Im Sommer wird Harish in dieser Einrichtung eingeschult.

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